2007

19
Jun
2007

SO IST ES NUNMAL NICHT

Wenn meine Tränen
Glasmurmeln wären,
könntest du
mit ihnen spielen.
Wäre mein Lachen Gold,
du könntest
es verkaufen,
und mit den
tausend Perlen unserer Nächte
meine Gefühle
an die Kette legen.

Aber so
ist es nunmal nicht.


.................................................

17
Jun
2007

CHOREOGRAPHIE EINES ABSCHIEDS

Bühne im Halbdunkel
Regie aus dem Nichts
Knisternde Stille

Das Leben ist Tanz,
du kannst alles tanzen,
tanzt der Tänzer.
Er sagt kein Wort.

Wiege dich im Schmerz.
Gesten der Verzweiflung
berühren den Himmel
und den Boden
zu deinen Füßen.

Ducken und Brüsten
Ducken und Brüsten
Immer wieder
Immer wieder
Du mußt dich schaukeln
in deine Kraft.

Arme wirbeln wild durch die Luft,
Hände weisen Wege,
nur die Beine schweigen noch.
Bedächtig messen sie die Bühne.

Gleich einem Blitz
aufschnellender Körper
zerreißt im Scheinwerferlicht.
Das Bein,
angewinkelt,
steigt langsam in die Höhe.
Fallend stampft es
Wut und Trotz.

Schweißtropfen perlen
von kraftlosen Körpern,
nur noch die Schultern
schieben
aneinander vorbei.

Nun fällt der Vorhang,
hörbar.

................................................

15
Jun
2007

KINDERLIEBESORAKEL

Wir haben unsere Namen
untereinander geschrieben.
Dann
haben wir
alle gemeinsamen Buchstaben
ausgestrichen.
Eins zu eins natürlich
und ohne zu schummeln.

Die übrig gebliebenen
haben wir
gezählt:
Er liebt mich
Von Herzen
Mit Schmerzen
Ein wenig
Fast gar nicht.

(Gar nicht gab es nicht,
weil es weh tut.)

Damals
half es auch noch,
sich einen anderen Namen
zu geben.

7
Jun
2007

ZITRONENFALTER

Schmetterling

Zitronenfalter

Seit Fünf sitzt
der Zitronenfalter
neben der Bahnhofsuhr
in der Küche.
Er wartet.

Er wartet
auf die Abfahrt des Tages
die Flügel weit gespreizt -
kein Zuhause,
kein Geschlecht.
Abfahrt in die Nacht.

Warum kam er nicht
zu mir.
Ich habe doch
schon so lange
auf ihn gewartet
zwischen all den Kissen
meiner Träume.


............................................

30
Mai
2007

WENN DU MICH IMMER NOCH WILLST

ein uhr sieben,
blitze teilen den himmel
er kommt nicht zur ruhe
die nacht wird immer kürzer
und der tag immer schwerer
so ist es wohl
wenn leben
ungelebt vergeht

was willst du jetzt hören
dass ich nicht glücklich bin
dass ich verzweifle
dass ich dich suche

NIE

sie errötet
sie sieht die minotauren
sieht die spiegel
sie hegt keinen groll
sie fühlt
endlich

wenn du mich noch willst,
immer noch willst ...


..................................

28
Mai
2007

DAS WUNSCHGESCHLECHT

Sie sehen wohl aus,
Sagt die alte Dame.
Ja, ich habe
Das ideale Wunschgeschlecht,
Sage ich
Und ignoriere
Wolkenvorhersagen und
Naturgewalten.


................................

25
Mai
2007

GEH, BEVOR SIE DICH BERÜHREN

Du stehst auf der Treppe,
mitten auf der Treppe,
sechs Stufen nach oben,
sechs Stufen hinter dir,
zweiunddreißig Zentimeter
bis zur Wand
und zweiunddreißig
bis zum freien Fall.
Du stehst und wartest.
Hier bleiben
kannst du nicht
Am Abend kommen die Schatten.


........................................

21
Mai
2007

UNSCHULD

RIMG0170

Unschuld
Februar 06

Ich habe meine Unschuld verloren.

Nicht - als Verlangen nach dir mich quälte.
Nicht - als an deinen Lippen ich hing.
Nicht - als ich lag in deinen Armen.
Nicht - als die Nacht vorüber ging.

Ich habe meine Unschuld verloren
im Beichtstuhl -
als ich es Sünde nannte,
Verrat an der Liebe beging.


..............................................

16
Mai
2007

REGEN

RIMG0153


Regen

Alles öffnet sich
den herrlichen Nektar
des Lebens zu empfangen
reckt sich empor
willigen Leibern gleich
preisen sich knospende Rosen
Clematis bricht fast zusammen
brutales Lila in all dem Grün
und die schwere Erde
diese dunkle fruchtbare Erde
dampft, duftet, bricht auf
und verschlingt die Saaten.

Endlich.

..........................................

15
Mai
2007

LIEBESGEDICHTE

Worte-2

Liebesgedichte


Worte gehen
wie durch Trichter
in die Ohren,
weiter ins Hirn
und von dort aus
direkt ins Becken.

Du zeugst mir Worte.
Und ich,
ich werde sie dir gebären.

Wunderschön
werden unsere Gedichte
sein.
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undercoverlyrik

SCHREIBEN

hat etwas Exhibitionistisches, Gedanken zeigen hinter Metaphern - ein Schleiertanz, ein Spiel.

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