für meine Freunde

20
Feb
2008

DER BESUCH

Es ist wie damals.
Es ist Winter.
Und die Sonne scheint
auf den Tisch am Fenster.
Aber es ist kein Donnerstag.
Und du kamst überraschend.

nicht
jedes wort
liegt auf der goldwaage
gut
sage ich
noch
ohne punkt und komma

Es ist wie damals.
Wir trinken Tee
und schauen aus dem Fenster.
Die Aussicht ist dieselbe,
nur die Perspektive
eine andere.


.................................

13
Jun
2007

SCHSCHSCHSCH ...

Wiegenlied für eine Schwester

Schschschsch ...
ich bette dich
in meine Worte
und trage dich -
solang du willst.
Nur keine Angst,
du wirst nicht fallen.

Schschschscht ...
was hinter dir liegt
schläft doch schon,
und lebt als Schrei
nur noch
in kranken Träumen,
nur noch als Rosenstrauß
auf deiner Folterbank.

Schschschsch ...
wir sammeln Kraft.
Wir malen Bilder,
die nur wir erkennen
und weinen Lieder,
unhörbar und klar
und schreiben Verse
bis die Finger bluten.
Schschschsch ...

Und jeden Morgen
bist du etwas größer
und jeden Morgen
kannst du etwas weiter gehn
und jeden Morgen
schwinden trübe Sinne,
und jeden Morgen
... schschschsch ...
ach, wirst du es selbst bald sehn.


................................

11
Mai
2007

Da wusste ich, dass es Liebe ist

(dritter mai zweitausend)

Ja, auf dieser Station
hat eine Liebe gelegen.
Nein, mit ihr sprechen
können Sie nicht,
sie ist gestorben,
am dritten Mai -
sagt die Oberschwester
am Telefon -
sie erschrie sich
noch eine letzte Antwort
über 300 Kilometer hinweg.
War das Ihre Liebe?

Ja, ich habe es gehört,
ich war gerade auf dem Weg zu ihr,
doch auf ihrem Leitstrahl
brach ich plötzlich zusammen.

Der Körper ist tot,
das ist sehr schade,
sagt die Oberschwester,
doch der Rest lebt.

Das weiß ich selbst,
sage ich.

Alle Sonnen stehen auf Sturm
und die Vögel verstummen
in unwirklichem Licht.
Alle Monde, groß und rund,
warten auf den roten Drachen.
Alle Augen dieser Welt
füllen reißende Flüsse,
wenn die wilden Pferde
dich davon tragen -
dich, Traumverkäufer,
dich, Lebensverkoster,
dich, Segler, Klavierspieler,
Fischfänger, Alleskönner,
dich, mein Freund
und Lebenskünstler.

Deine Mundharmonika
liegt immer noch bei mir.
Ich bin nicht glücklich.
Aber wer dich nicht kannte,
muß noch unglücklicher sein.


........................................

20
Apr
2007

TRILOGIE I

WARTEN
für Z.D.

Lange davor
schnell noch einmal zum Imbiss,
ist ja gleich in der Nähe.

Kurz davor
eine Tasse Kaffee
und der Hinweis
‘Wir bauen noch auf’.

Warten und lesen,
warten und lesen
bis ganz kurz davor.

Dann
Lippenstift an meiner Tasse
und auf jeder Zeile,
die gleich
aus deinem Mund fallen wird.


.....................................

TRILOGIE II

ZOOM
für Z.D.

Weltall
Erde
Europa
Deutschland
Niedersachsen
Stadthagen
Alte Polizei
Theatersaal
kleine Bühne

zwanzig Tische
sechzig Stühle
zwei lange Bänke
ein Verkaufstisch
ein Mischpult

zurück zur Bühne
kein Tisch
zwei Stühle
zwei Notenpulte
Instrumente
Wasserflaschen
lose Blätter

ein Mikrophon
und dahinter
eine Frage
‘Was geht
wenn du bleibst’.


..........................................

TRILOGIE III

SCHWER ZU BESCHREIBEN,
WAS BLEIBT, WENN DU GEHST

für Z.D.

Es ist mehr als Bewunderung.
Es ist mehr als Begeisterung.
Es ist mehr
als bediente Erwartung.

Es ist
schwer zu beschreiben.

Es ist das Gefühl,
fast direkt
unter dem Olymp zu stehen.

Nun muß ich nur noch
aufsteigen,
um den Göttern
das Wasser zu reichen.


......................................

12
Apr
2007

FÜR MEINE FREUNDE

(Ein Dankeschön an ference für seine Anregungen und an Jeri, der mit seinem Büchergutschein eine Begegnung der besonderen Art möglich machte.)

VON BRIEFTAUBEN
UND BRIEFTRÄGERN


Am Frühstückstisch
mit Walser
schaue ich hin und wieder
wartend aus dem Fenster.
Ob sie wohl heute kommen,
wohlbehalten?
Manchmal kann ich nicht
warten.

Ich bringe
das Geschirr in die Küche
und Walser ins Schlafzimmer.
Im Fernsehen läuft etwas
über Brieftauben
und ich denke,
man hätte ihnen doch
das Monopol überlassen sollen.
Auf sie ist mehr Verlass.

Enttäuschung
füllt das Zimmer.
Auch Fried und Drvenkar
können mich nicht trösten.
Es klingelt.
Ich freue mich.
Zu früh.
Ich gehe zu Ferenc.

Am Abend
erfahre ich von meinem Nachbarn,
dass Consuelo
schon seit gestern
bei ihm liegt
und dass Bukowski
heute seine Tochter verführt hat,
von den anderen
ganz zu schweigen.

Schweigend
nehme ich alle mit
und freue mich
über meinen Briefträger.



............................................

12
Mrz
2007

FÜR MEINE FREUNDE

UnbenanntMA11728390-0001

FÜR S.

Zweifach
der Herzschlag,
im gleichen Takt.
Ich trage in mir
Leben.


.............................................

6
Mrz
2007

FÜR MEINE FREUNDE

schlaf


SCHÖNHEITSSCHLAF
für J.

Allen Kummer,
alle Spuren des Tages
schluckt
das Mondlicht.

Wie gern
liege ich neben dir,
schlafendes Rubensgemälde.

Der erste Sonnenstrahl
setzt Glanzlichter.

Schön bist du ...


..........................................

4
Mrz
2007

FÜR MEINE FREUNDE

275px-Phoenix_detail_from_Aberdeen_Bestiary

PHÖNIX
für G.

Am Ende
brannte meine Seele,
brannte mein Körper
lichterloh -
am Ende
war nichts mehr.

Niemand war ich,
nichts besaß ich.

Fort, nur fort.
Verzweiflung
und Sehnsucht.
Ich werde
wiederkehren.

Wie lange braucht es,
einen Brand zu legen.
Wie lange brauche ich,
wieder fliegen zu lernen?


..........................................
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hat etwas Exhibitionistisches, Gedanken zeigen hinter Metaphern - ein Schleiertanz, ein Spiel.

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